Cor Sluijter und Remco Feskens

Dieser Blog wurde von Laura Zieger ins Deutsche übersetzt.

Gerechtigkeit und Fairness

Gerechtigkeit in der Bildung ist ein national und international heiß diskutiertes Thema. Dies hat zu der Auffassung geführt, dass Bildungsgerechtigkeit ein Problem ist, bei dem Handlungsbedarf besteht. Unser Artikel, der bald im Journal of Supranational Policies of Education erscheint, untersucht, ob diese Ansicht stimmt. Mit Hilfe der Daten von OECD-Studie PISA (Programme for International Student Assessment) untersuchen wir, wie „fair“ Bildung in der Europäischen Union ist. Wir messen „Fairness“ in diesem Zusammenhang, indem wir betrachten, wie gut die Länder in PISA abschneiden, d.h. ob die Schülerleistung unabhängig von den Hintergrundmerkmalen der Schülerinnen und Schüler ist.

Wie fair sind die europäischen Bildungssysteme?

Wir benutzen eine Kombination aus Geschlecht, Migrationshintergrund, Muttersprache, Alter und den sozioökonomischen Status der Schüler, um die PISA 2015-Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen vorherzusagen. Wir gehen davon aus, dass je fairer ein Bildungssystem ist, desto geringer der Einfluss ist, den diese Hintergrundmerkmale auf die PISA-Ergebnisse haben.

Abbildung 1. Der kombinierte Einfluss (Cohens) von Geschlecht, Migrationshintergrund, Muttersprache, Alter und sozioökonomischem Status der Schüler auf die PISA Ergebnisse in Naturwissenschaften.

Hinweis. Die Zahlen auf der Karte zeigen die Effektgrößen für jedes Land (ausgedrückt in Cohens , einem Maß für die Effektgröße, das auf der quadratischen Mehrfachkorrelation zwischen den Hintergrundmerkmalen und den PISA-Ergebnissen basiert).

Cohens -Werte gelten ab 0,02, 0,15 und 0,35 als kleine, mittlere bzw. große Effekte. Länder mit Effektgrößen, die über dem EU-Durchschnitt liegen, werden rot eingefärbt. Länder, in denen die Effektgröße kleiner als der EU-Durchschnitt ist, werden grün gefärbt.

Also, was ist mit Gerechtigkeit?

Der durchschnittliche Einfluss der Hintergrundmerkmale auf die Leistung in Naturwissenschaften beträgt in der EU 0,22, was einem moderaten Zusammenhang entspricht. In Belgien ist die Effektgröße am größten (0,35), gefolgt von Frankreich (0,32) und Deutschland (0,31). Zu den Ländern mit relativ kleinen Effektgrößen gehören Estland, Lettland, das Vereinigte Königreich und Italien.

Der durchschnittliche Einfluss aller Hintergrundmerkmale zusammen auf die PISA-Ergebnisse in Lesen und Mathematik entspricht mit 0,26 bzw. 0,23 einer moderaten Effektgröße.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse kommen wir zu dem Schluss, dass es noch ein langer Weg ist, bis die Bildungssysteme in Europa als fair bezeichnet werden können. Moderate Effektgrößen für Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik zeigen, dass noch viel zu tun ist. Aber Länder, die unter dem EU-Durchschnitt liegen, wären töricht, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Die Effektgrößen in diesen Ländern sind alles andere als unbedeutend. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eindeutig, dass die Chancengleichheit für alle noch lange nicht verwirklicht ist.

Für detaillierte Informationen und Ergebnisse lesen Sie bitte unseren kommenden Artikel (DOI: 10.15366/jospoe) .

About the author(s)

Cor Sluijter

Dr. Cor Sluijter heads the department of Psychometrics and Research of Cito, the Dutch national institute for educational measurement. His research interests include selection decisions in education, test construction and computerized (adaptive) testing.

Remco Feskens

Dr. Remco Feskens is a member of the department of Psychometrics and Research of Cito, the Dutch national institute for educational measurement and guest researcher at the department of Research Methodology, Measurement and Data Analysis at the University of Twente. His research interests include educational measurement and survey methodology.