Louis Volante, Don A. Klinger und Özge Bilgili

Dieser Blog wurde von Silvan Häs ins Deutsche übersetzt.

Eine der wichtigsten Botschaften auf der Bildungsplattform der OECD ist der Slogan „Better policies for better lives“, frei übersetzt „Bessere Politik für ein besseres Leben“. Diese Botschaft ist deutlich sichtbar unter dem OECD-Emblem und auf jeder Seite ihrer Internetpräsenz zu finden. Man könnte sich natürlich fragen, ob und wie die PISA-Ergebnisse tatsächlich genutzt wurden, um das Leben von Schülern mit Migrationshintergrund weltweit zu verbessern.

Zusammen mit meinen Kollegen Don Klinger und Özge Bilgili haben wir uns dieser Frage in einem aktuellen Springer-Buch (2018) angenommen. An dieser Ausgabe haben führende Wissenschaftler aus England, Deutschland, Italien, Schweden, Finnland, den Niederlanden, Irland, Kanada, Australien und Neuseeland gearbeitet. Jedes länderspezifische Profil gab einen Überblick über die Schülerpopulation, erläuterte den Verlauf der Ergebnisse von Bildungstests – vor allem in Bezug auf PISA – und diskutierte die Wirksamkeit der politischen Maßnahmen, die ergriffen wurden, um Leistungsunterschiede zwischen Nicht-Einwanderern und Einwanderern zu schließen.

Warum ist Migration und Leistung von Schülern ein wichtiges Thema?

Die Zukunft von Nationen und ihre Fähigkeit, integrative und reflektierende Gesellschaften zu werden, wird letztlich von ihrer Jugend bestimmt – und Kinder mit Migrationshintergrund bilden einen immer wichtigeren Teil unserer Gesellschaft. Nach Angaben der Hauptabteilung der Vereinten Nationen für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (UN DESA) stieg die geschätzte internationale Migration von Kindern und Jugendlichen (bis 19 Jahre) von 28,7 Millionen im Jahr 1990 auf 36 Millionen im Jahr 2017. Im Jahr 2017 machten Kinder und Jugendliche 13,9% der gesamten Einwanderungspopulation aus. Insgesamt verdeutlicht der gegenwärtige globale Kontext die vielfältigen Herausforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit einem geringeren Bildungsniveau bei Einwandererkindern, mit denen populäre Zielländer für Migration in Europa, Nordamerika und Australasien konfrontiert sind.

Ist PISA ein vertretbares Instrument, um dieses Thema zu untersuchen?

Während viele PISA als Maß für die Leistung von Schülern kritisiert haben, bietet es dennoch ein ziemlich robustes Instrument, um die Leistung von Jugendlichen über Ländergrenzen hinweg zu vergleichen. Darüber hinaus ermöglicht das Design von PISA weitere inter- und intranationale Vergleiche von Untergruppen von Schülern. PISA hat es teilnehmenden Ländern ermöglicht, die Leistungslücken ihrer Einwandererkinder im Verhältnis zur internationalen Gemeinschaft zu untersuchen und aktive Maßnahmen zur Beseitigung dieser Leistungsunterschiede zu ergreifen.

Sind Länder erfolgreich darin, Leistungslücken bei Kindern mit Migrationshintergrund zu schließen?

Unsere Analysen deuten darauf hin, dass die untersuchten Länder unterschiedlich erfolgreich darin sind, Leistungslücken zu schließen. Selbst in einem Land wie Kanada, das eines der wenigen teilnehmenden Länder ist, welches über einen Leistungsvorteil verfügt (d.h. Schüler mit Migrationshintergrund übertreffen Nichteinwanderer), wurden signifikante Unterschiede zwischen den zehn unterschiedlichen Bildungssystemen auf Provinzebene beobachtet. Auch im italienischen Kontext spielen regionale Unterschiede eine wichtige Rolle.

Insgesamt deutet unsere Arbeit darauf hin, dass einfache Klassifizierungen von Schülern mit Migrationshintergrund (d.h. erste und zweite Generation) unzureichend sind, um dieses komplexe Thema zu verstehen, und die PISA-Daten lieferten die Indizien für diese Schlussfolgerung. So scheinen beispielsweise die Leistungsunterschiede in Neuseeland eher auf die ethnische Gruppierung als auf den Migrationsstatus zurückzuführen zu sein, während in Australien Einwandererkinder aus Ost- und Südostasien stets einige der höchsten Leistungsniveaus erreichten. Unsere interkulturellen Analysen mit Hilfe der PISA-Daten zeigen, dass die zunehmende Vielfalt der Nationen vielfältigere politische Ansätze erfordert, die sich an bestimmte Untergruppen von Schülern richten.

Referenzen

United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division (2019). International migrant stock: The 2017 revision. Retrieved from: https://www.un.org/en/development/desa/population/migration/data/estimates2/estimates17.asp

Volante, L., Klinger, D., & Bilgili, Ö.(Eds.). (2018). Immigrant Student Achievement and Education Policy: Cross-Cultural Approaches (Policy Implications of Research in Education Series). New York, NY: Springer.

About the author(s)

Louis Volante

Dr. Louis Volante (PhD) is a Professor of Education at Brock University, Professorial Fellow at UNU-MERIT, and President of the Canadian Educational Researchers’ Association (CERA). His research is focused on education and public policy analysis; international assessments and the politics of education reform; metrics, performance monitoring, and education governance; migrant integration policies and education outcomes; and social inequality in education.

Don A. Klinger

Dr. Don Klinger is a professor and Pro Vice-Chancellor of Te Kura Toi Tangata Division of Education at the University of Waikato, New Zealand. Professor Klinger's research explores both classroom assessment and the psychometric and policy issues of large-scale assessments, program evaluation, and measures of school effectiveness.

Özge Bilgili

Dr. Özge Bilgili is an assistant professor at the Faculty of Social and Behavioral Sciences of Utrecht University.She has been awarded as a Thomas J. Alexander fellow at the Education and Skills Department of the OECD and is currently working as an associated researcher for the Strength through Diversity Project. Since 2016, Dr. Özge Bilgili is the chair of Dutch Association for Migration Research (DAMR). Her expertise is on immigrant integration, social cohesion, transnationalism and education research and policy analysis in relevant areas.