Phil Parker

Dieser Blog wurde von Laura Zieger ins Deutsche übersetzt.

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein politischer Entscheidungsträger, der mit der Reformierung des Bildungssystems Ihres Landes betraut ist. Sie stehen vor einer verwirrenden Liste konkurrierender Vorschläge, die von den Befürwortern unterschiedlicher Lager vorgelegt werden. Sollten man auf die Ökonomen hören, die eine freiere Schulwahl fordern? Was ist mit den populären Forderungen, das „finnische Wunder“ zu replizieren – sollten man versuchen, eine das finnischen Systems zu kopieren? Wie wäre es mit einer Rückkehr zur traditionalen Wahl der Schulform wie in Deutschland und den Niederlanden? Empirische Daten hierzu existieren meist nur für lokale Interventionen, die nicht viel darüber sagen, wie sich eine bestimmte Reform auf das gesamte Bildungssystem auswirken wird.

Aus diesem Grund sind qualitativ hochwertige und multinationale Studien mit mehreren Zyklen wie PISA so wertvoll. Sie ermöglichen es politischen Entscheidungsträgern, Länder mit unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen anhand einer gemeinsamen Metrik zu vergleichen: Lesefähigkeit, Rechenkenntnisse und naturwissenschaftliche Leistungen. Politischen Entscheidungsträger können die Ergebnisse auch im Zeitverlauf vergleichen, um zu sehen, wie die Einführung einer Bildungsreform die Leistung der Schüler eines Landes gefördert oder beeinträchtigt hat.

Politische Frage: Hilft oder schädigt Stratifizierung nach Leistung?

Mithilfe von PISA fragten wir: Sind Länder, die ihre Schulen nach akademischen Leistungen stratifizieren, in PISA-Tests besser als Länder, die dies nicht tun? Stratifizierung bezieht sich auf viele verschiedene politische Konzepte wie Schul-Tracking, Privatschulen, selektive Schulen, Magnetschulen, Schulwahlregelungen und Einzugsgebietsregelungen in Ländern mit starkem geografischem Einkommens- und Vermögensgefälle. Alle diese Richtlinien führen dazu, dass leistungsstärkere und -schwächere Schülerinnen und Schüler getrennt unterrichtet werden. Den vollständigen Text unseres Artikels können Sie hier lesen.

Es gibt viele Argumente für die leistungsbezogene Aufteilung. Vielleicht können klügere Kinder nur aufblühen, wenn sie unter ihresgleichen ausgebildet werden. Lehrerinnen und Lehrer sind in der Lage sein, ihren Unterricht auf das Niveau der Schüler auszurichten. Die Schulwahl kann Eltern den Spielraum geben, eine Schule auszuwählen, die für ihr Kind am besten geeignet ist. Aber eine starke Aufgliederung kann aber auch negative Auswirkungen haben.

Schwächere Schüler können die Hilfe von intelligenteren Kindern in Anspruch nehmen. Und intelligentere Kinder können ein besseres Verständnis für ein Thema erlangen, indem sie es anderen Schülern beibringen. Darüber hinaus zeigen inzwischen umfangreiche Forschungsergebnisse, dass Kinder, die in selektiven Schulen unterrichtet werden, niedrigere Motivation, weniger Selbstvertrauen und ein geringeres akademisches Interesse haben als ähnlich fähige Gleichaltrige, die in Gesamtschulen unterrichtet werden. Und diese Effekte sind in Ländern mit stärkerer Aufgliederung des Bildungssystems noch stärker ausgeprägt.

Was wir herausgefunden haben

Mit diesen konkurrierenden Ansichten haben wir Daten aus fünf PISA-Zyklen verglichen, um die Beziehung zwischen dem Ausmaß der Aufgliederung im Bildungssystem eines Landes und seiner Leistung zu untersuchen. Wir untersuchten auch, ob Zu- oder Abnahme der Aufgliederung im Laufe der Zeit mit Verbesserungen oder Abnahmen der durchschnittlichen akademischen Leistung zusammenhängt. Die Abbildung weiter unten erzählt die Geschichte: In Ländern, in denen die Aufgliederung zunahm, war ein Rückgang der durchschnittlichen Leistung zu verzeichnen.

Fazit

Unsere Forschung legt nahe, dass politische Konzepte, welche die Aufgliederung nach Leistung erhöhen, mit einem Rückgang der durchschnittlichen akademischen Leistung verbunden sind. Sollten politische Entscheidungsträger das Schulsystem aufgrund unserer Forschung ändern? Für sich allein genommen: nein. Die Ergebnisse sind jedoch aufschlussreich und deuten im Kontext der größeren Forschungslage darauf hin, dass die politischen Entscheidungsträger darauf hinarbeiten sollten, egalitärere Schulsysteme zu schaffen.

About the author(s)

Phil Parker

Professor Phil Parker is the Deputy Director of the Institute for Positive Psychology and Education at the Australian Catholic University. He received his doctorate in Educational Psychology from the University of Sydney. His major research interest includes educational inequality, developmental transitions, and educational attainment.