Trude Nilsen

Dieser Blog wurde von Silvan Häs ins Deutsche übersetzt.

Fehlende bisherige Forschung in den nordischen Ländern

Frühere Studien zur Effektivität von Lehrern haben gezeigt, dass die formale Lehrerausbildung und Zertifizierung die Ergebnisse der Schüler indirekt über ihren Unterricht beeinflusst. Die meisten Studien in diesem Bereich wurden jedoch in Deutschland und den USA durchgeführt, wobei die Mathematikleistungen der Schüler der unteren Sekundarstufe als Ergebnis herangezogen wurden. Wir wissen nicht, ob diese Ergebnisse auf andere Länder, Altersgruppen (z.B. Grundschule) oder Ergebnisse (z.B. wissenschaftliche Leistungen oder Schülermotivation) übertragbar sind.

In einer kürzlich durchgeführten Studie haben wir die Beziehungen zwischen der Qualität der Lehrer, dem Unterricht und den Ergebnissen der Schüler in den nordischen Ländern untersucht. Daten aus großangelegten internationalen Bildungsstudien bieten aufgrund ihrer standardisierten und vergleichbaren Messungen der Unterrichtsqualität und der Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler eine einzigartige Möglichkeit.

TIMSS ist geeignet, die Effektivität von Lehrern zu untersuchen

Die einzige internationale Bildungsstudie, die Daten von Lehrern sammelt und ganze Klassen erfasst, ist „Trends in Mathematics and Science Study“ (TIMSS). Diese ILSA ist daher besonders geeignet, um die Effektivität von Lehrern zu untersuchen. Darüber hinaus werden Stichproben aus den Klassen 4 und 8 erhoben und die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler werden sowohl in Mathematik als auch in den Naturwissenschaften ermittelt. TIMMS ermöglicht somit die Erforschung der Lehrereffektivität über Ländergrenzen, Altersklassen und Schulfächer hinweg.

Der Effekt von Lehrern und Unterricht

In einer kürzlich durchgeführten Studie haben wir die Daten der Klassen 4 und 8 aus den vier nordischen Ländern, die an TIMSS 2015 teilgenommen haben (Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark), verwendet, um zu untersuchen, wie die Qualität der Lehrer und ihr Unterricht die Leistungen der Schüler in den Naturwissenschaften und die intrinsische Motivation (z.B. inwieweit sie an den Naturwissenschaften interessiert sind) beeinflussen. Unser Ziel war es, festzustellen, ob die Qualität der LehrerInnen einen indirekten Einfluss auf die Ergebnisse der SchülerInnen – über ihren Unterricht – hat, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1. Der indirekte Effekt der Lehrerqualität auf die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler über ihre Unterrichtsqualität.

Die Methodik der Studie

Aus dem Schülerfragebogen haben wir die Bewertungen der Lehrer durch die Schüler verwendet, um die Unterrichtsqualität zu messen. Aus der LehrerInnenbefragung haben wir eine breite Palette von Kennzahlen zur LehrerInnenqualität verwendet, wie z.B. ihr Bildungsniveau (z.B. ob sie einen Bachelor, Master oder PhD haben), die Selbstbewertung der mathematischen Fachkenntnisse sowie die Motivation der LehrerInnen (z.B. ob sie sich von ihrer Arbeit inspiriert und begeistert fühlen und weiterhin als LehrerInnen arbeiten wollen).

Um den Zusammenhang zwischen Lehrerqualität, Unterrichtsqualität und Schülerergebnissen abzuschätzen, wurde eine Art der Regressionsanalyse, die so genannte Strukturgleichungsmodellierung, verwendet. 

Unterschiedliche Ergebnisse in den Jahrgangsstufen

Die Ergebnisse zeigten, dass die Unterrichtsqualität der Lehrerinnen und Lehrer in den meisten nordischen Ländern eine signifikante und positive Beziehung zu den Leistungen und der Motivation der Schülerinnen und Schüler in beiden Klassenstufen hatte.

Verschiedene Aspekte der Lehrerqualität wurden indirekt über die Unterrichtsqualität mit den Ergebnissen der Schülerinnen und Schüler in Verbindung gebracht. Die Arten von Lehrerqualitäten, die allgemeinere pädagogische Aspekte widerspiegeln (d.h. Zusammenarbeit, Selbstwirksamkeit in Bezug auf pädagogisches Inhaltswissen und Motivation der Lehrer), standen in beiden Klassenstufen in positiver Beziehung zu den Ergebnissen der SchülerInnen. Andererseits schienen die formalen Qualifikationen der LehrerInnen (z.B. ob sie auf Naturwissenschaften und naturwissenschaftlichen Unterricht spezialisiert sind, ihr Bildungsniveau) in Klasse 8 von größerer Bedeutung zu sein als in Klasse 4.

Diese Ergebnisse entsprechen dem Stand der Forschung in diesem Bereich, wie er sich in Metastudien und Reviews widerspiegelt. Unsere Studie ist ein Beispiel dafür, wie ILSAs dazu beitragen können, Erkenntnisse über Länder, Domänen und Kohorten hinweg zu replizieren.

Fazit

Die Qualität der Lehrer ist sowohl für die Leistung als auch für die Motivation der Schüler wichtig, solange die Lehrer auch einen qualitativ hochwertigen Unterricht anbieten. Insbesondere das Wissen der LehrerInnen über die Wissenschaft ist für die SchülerInnen der unteren Sekundarstufe wichtiger als für die Grundschule, während die Motivation der LehrerInnen für ihre Arbeit, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und das Wissen über pädagogische Inhalte sowohl für die SchülerInnen der Grundschule als auch der unteren Sekundarstufe wichtig sind.

About the author(s)

Trude Nilsen

Dr. Trude Nilsen is Associate Professor of Educational Research and Leader of the research group Large-scale Educational Assessment (LEA) at the Department of Teacher Education and School Research at the University of Oslo, Norway.  She is also the project leader of the project Teachers’ Effect on Student Outcome (TESO).  Trude is an external expert for OECD’s questionnaire expert groups for TALIS and TALIS Starting Strong and for TIMSS Questionnaire Item Review Committee. Trude’s research focuses on teacher effectiveness, educational inequality, applied methodology and international large-scale assessment.