Evi E. Konstantinidou

Dieser Blog wurde von Silvan Häs ins Deutsche übersetzt.

Der Aufstieg des Fernlernens

In den letzten Monaten bedeutete die Eindämmung von COVID-19 eine starke Einschränkung des normalen Lebens, einschließlich der weltweiten Schließung von Schulen. Dieser Ansatz zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus hat, wie UNICEF berichtet, zu einer beispiellosen Welle von Beeinträchtigungen in der Ausbildung von mehr als 80 Prozent der Schüler weltweit geführt. Vor diesem Hintergrund wurden Pädagogen, Schüler, Anbieter von Lernmaterial, politische Entscheidungsträger und Eltern gezwungen, auf Fernunterricht umzuschwenken. Um den Fernunterricht zu erleichtern, nutzt die große Mehrheit der Länder die Stärken der Technologie. Gegenwärtig gibt es weltweit eine Bewegung hin zu einem „Open Access“-Ansatz für Lerninhalte, da viele Verlage und andere Materialanbieter ihre Plattformen und andere Online-Ressourcen öffnen. Einer der kritischen Fragen, die diskutiert werden, ist, ob die Länder und ihre Schulen in der Lage sind, das Online-Lernen zu unterstützen. Die Vorbereitung der Schulen, einschließlich des Zugangs zu Bildungsplattformen und der Bereitstellung von Online-Schulressourcen und Lernunterstützung, ist von entscheidender Bedeutung. Doch während diese Debatte auf der Angebotsseite weiter geführt wird, ist der Elefant im Raum die Frage auf der Nachfrageseite. Nämlich: Sind die Schülerinnen und Schüler auf das Online-Lernen vorbereitet? Können sie technologieintegrierte Bildung akzeptieren, sich darauf einlassen und damit voll entfalten – und das für einen unbestimmten Zeitraum?

Sind die SchülerInnen auf das Online-Lernen vorbereitet?

Um mögliche Tücken auf dem Weg zum Online-Lernen zu verstehen, scheint es sinnvoll, sich auf Davis‘ (1986) Technology Acceptance Model (TAM) zu beziehen. Davis schlägt vor, dass sowohl die Benutzerfreundlichkeit als auch der Nutzen einer Technologie die Absicht der Benutzer beeinflussen, sich zu engagieren. Wahrgenommene Nützlichkeit bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler glauben, dass die Technologie ihre Leistung verbessern wird, während sich die wahrgenommene Benutzerfreundlichkeit auf die Überzeugung bezieht, dass die Nutzung der Technologie mühelos möglich ist. In einer kürzlich durchgeführten Studie haben wir Daten aus der International Computer and Information Literacy Study (ICILS; siehe hier) verwendet, um diese Fragen zu untersuchen. In der Studie wurden die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse befragt, wie gut sie sich darauf vorbereitet fühlen, Computer für verschiedene Aufgaben zu benutzen, sowie wie häufig sie Computer benutzen. Außerdem wurde getestet, wie gut die Schülerinnen und Schüler tatsächlich mit Computern zum Zweck des Lernens umgehen können.

Abbildung 1. Konzeptionelles Modell dieser Studie unter Berücksichtigung der beiden Kernaspekte des TAM-Modells

Wie steht es um die Akzeptanz der Technologie durch die Schüler?

Für alle 11 in dieser Studie berücksichtigten Länder[1] wird festgestellt, dass der Effekt der Selbstwirksamkeit der Schülerinnen und Schüler positiv und signifikant für beide Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler ist, während er sich auch positiv darauf auswirkt, in welchem Umfang die Schülerinnen und Schüler die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) nutzen. In Finnland wird zum Beispiel festgestellt, dass, wenn die Selbstwirksamkeit der Schülerinnen und Schüler um eine Standardabweichung ansteigt, die Leistung der Schülerinnen und Schüler im Bereich Computer- und Informationskompetenz (CIL) um 0,33 Standardabweichungen zunimmt, was auf einen moderaten Effekt hindeutet.

Der Effekt der IKT-Nutzung der Schülerinnen und Schüler auf die Computer- und Informationskompetenz (CIL) ist in 8 von 11 Ländern signifikant, wohingegen der Zusammenhang mit dem computergestützten Denken (CT) in 4 von 8 Ländern signifikant war. In ähnlicher Weise war der indirekte Effekt der Selbstwirksamkeit der Schülerinnen und Schüler durch die Nutzung von IKT durch die Schülerinnen und Schüler signifikanter für CIL, insbesondere in 8 von 11 Ländern.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bereitstellung von Ressourcen durch die Bildungssysteme zur Unterstützung des digitalen Lernens von entscheidender Bedeutung ist – aber nicht ausreicht. Es ist auch wichtig, zu überlegen, ob die Schülerinnen und Schüler die Technologie für ihr Lernen nützlich finden und ob sie sich bei der Nutzung wohl fühlen.


[1] Länder in dieser Studie: Chile, Dänemark, Finnland, Deutschland, Italien, Kasachstan, Südkorea, Luxemburg, Portugal, Vereinigte Staten.

About the author(s)

Evi E. Konstantinidou

Evi E. Konstantinidou is a PhD fellow of Educational Administration and Evaluation at the University of Cyprus. Her project is a part of the European Training Network (ETN) OCCAM which is a sub call in the Marie Sklodowska-Curie Innovative Training Networks (MSCA ITN) of the European Commission’s Horizon 2020 framework. In her research she examines the contribution of instructional quality and equity on educational outcomes using international large-scale assessments and quantitative research methods.